Der Höhenflug im Flow – Was braucht es zum Mentalen Doping?

flow jerome zimmer

 

Ist Flow purer Zufall oder kann man diesen Zustand im Rausch trainieren?

 

Erfolgreiche Sportler berichten davon, dass Sie sich gefühlt hätten wie im Drogenrausch.

Verantwortlich dafür sind unter anderem Glückshormone wie Serotonin, körpereigenen Cannabinoiden und andere Botenstoffe wie Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin.

Sie sind Schmerzstiller, lassen eine Situation erträglicher werden und geben uns ein Wohlgefühl.

In diesem Artikel, möchte ich euch die Grundelemente des Flowcocktails erklären.
Flow ist trainierbar und kann jedem Menschen gesundheitliche Vorteile verschaffen.

Der „Runners-High“ oder das Gefühl vom „In the Zone“ zu sein, hat nicht nur für Sportler, sondern für jeden von uns einen Nutzen und Vorteile.

 

9 Elemente führen zu einer höheren Chance im Flow zu landen:

  1. Verhältnis zwischen Anforderung und Fähigkeiten
  2. Verschmelzen von Handlung und Bewusstsein
  3. Klare Ziele
  4. Eindeutiges Feedback über Rückmeldungen
  5. Konzentration auf die Aufgabe im Moment
  6. Gefühl der Kontrolle
  7. Verlust von bewussten,rationalen Gedanken
  8. Zeitverzerrung
  9. Autotelische Erfahrung

 

1. Der Spagat zwischen Fähigkeiten und Anforderungen.                                     Die Basis fürs Flow-Erleben.

Für Sportler ist dieser Faktor sehr individuell, was für den einen eine Leichtigkeit darstellt, fühlt sich für andere an als sei es eine Mount-Everest-Tour.

Einige Profisportler finden dieses optimale Verhältnis erst bei einer Olympiade oder im Finale einer Weltmeisterschaft.

Dies würde bei Personen mit weniger Ambitionen nur Ängste und Zweifel aufkommen lassen.

Wir können somit zusammenfassen, je mehr Fähigkeiten,Skills oder Ressourcen ein Sportler besitzt desto größer muss bzw. kann eine Herausforderung sein um das Gefühl von Flow und Erfüllung zu erleben!

Dieses Verhätnis ist im folgenden Diagramm leicht dargestellt:

 

 zimmer flow

2. Das Verschmelzen zwischen Handlung und Bewusstsein. “Eins werden”

Wenn mir einige Sportler von Ihren Flow-Erfahrungen erzählen, erwähnen viele, dass Sie zb.  „Eins“ waren mit Ihrem Bike oder dass sich Ihr Tennisschläger, wie eine Verlängerung Ihres Arms angefühlt hat.                                                                                                                               Sie wurden zu einer kompletten Einheit, als ob Sie während Ihrem Marathon mit der Straße einfach verschmolzen sind.

Diese Ausdrücke zeigen wie Geist und Körper miteinander verschmelzen können.

Dies ist unabhängig von der abgegebenen Leistung.

Ob es gerade beim gemütlichen Spazierengehen oder bei einem Marathon mit einer Pace von 3:50min/km passiert.

 

Die 2. Dimension vom Flow läßt den Sportler ein Gefühl erleben von kompletter Absorbtion.

Die Bewegungen werden spontan und ohne große Anstrengung durchgeführt.

Einige behaupten ebenfalls, es würde „einfach passieren“, wie ferngesteuert von einer höheren Kraft!

Dieses Verschmelzen löst jedenfalls viele positive Emotionen aus, welche die Sportler dazu motiviert, es immer wieder erleben zu wollen.

Es treibt dich an, um wieder „In the Zone“ zurück zu kommen.

 

3. Je klarer deine Ziele, desto stärker der Flow.

jerome zimmer mentaltraining

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ziele sind dazu da, um dir Ortientierung und Struktur zu geben.

Das größte Schiff ist nichts wert, wenn es nicht weiß, auf welchen Kurs es gehen soll.

Es gibt kurzfristige und langfristige Ziele, welche man definieren sollte vor einer sportlichen Herausforderung.
Vielen Sportlern hilft es enorm, immer wieder Ihr Ziel zu visualisieren.

Das Ziel durchzugehen als ob es bereits erreicht wäre und was alles dazugehört.

Dieses durchgehen von Szenarien im Geist, gibt dem Sportler ein Gefühl von Sicherheit. Es spart mentale Energie während eines Rennens, wenn der Athlet sich im voraus bereits Gedanken gemacht hat, wie das Rennen ablaufen wird.

Dein Unterbewusstsein gibt dir somit in die Zukunft, die nötigen Impulse um dein Ziel zu erreichen.
Wenn du dir VORSTELLEN kannst, wie du ein bestimmtes Ziel ereichen wirst, ist die halbe Arbeit bereits getan.

Natürlich muss für ein sportliches Ziel der körperliche Aspekt stimmen, doch diese Ziele treiben dich an und geben dir Orientierung.

Mit der Erfahrung, bekommen Sportler ein intuitives Gefühl dafür ob Sie am Tag des Rennens eine gute Leistung abrufen können. Einige wissen nicht genau wieso, doch eine intuitive Stimme sagt Ihnen, dass heute ein großartiger Tag sein wird. Dieses Gefühl fördert enorm das Gefühl des Flow und die Steigerung der Leistung im Sport.

 

4. Feedback bringt dich weiter!

Aktion = Reaktion

Jede Sportart würde unmöglich werden, wenn du kein direktes Feedback bekommen würdest von dem was du gerade leistest.
Damit meine ich externe und interne Quellen von Rückmeldungen.

Beispiele von internen Quellen sind dein persönliches Körpergefühl, wie hoch oder niedrig ist dein Puls oder wie fühlen sich deine Muskeln an?

Externe Quellen sind zb. Reaktionen von Zuschauern; was gibt dir dein Bike oder dein Schuh für ein Feedback?

Es gibt etliche Quellen von Feedback im Sport, diese Informationen sind essentiell und bringen dich weiter.
Ziel ist es, die richtige Anzahl dieser Quellen zu bestimmen und zu nutzen.

In der heutigen Zeit gibt es zum Thema Leistungsmessung durch Sensoren eine breite Pallette von Infos die dem Sportler zur Verfügung stehen: Puls, Geschwindigkeiten, Frequenzen, Drehzahlen, etc etc.

Eine Überschwemmung des Athleten mit solchen Infos bringt eher eine Überforderung als Unterforderung. Das richtige Verhältnis von bewussten Infos während des Sports sind essentiell zur Förderung des Flow.

Bei Sportlern, wo dieses Element in Balance war, beschrieben es mit Wörtern wie:

„Es lief alles ineinander wie Zahnräder“

„Es funktionierte wie ein Uhrwerk“ ,

„Alles passte, ohne nachzudenken“

Solche Aussagen kommen Im Radsport zb. nach einem Rennen wo der Sportler merkte, dass einfach jeder Gang im richtigen Moment passte. Oder dass jede Armbewegung beim Schwimmen sich automatisch  abwechselte und einfach richtig war.

Zum richtigen Moment am richtigen Ort.

 

5. Konzentration auf die Aufgabe im Hier und Jetzt.

Dieser Aspekt kann in einem Wort zusammengefasst werden: FOKUS.

Wenn schwierige Situationen auftauchen wie zb. eine Abfahrt beim Skialpin wo es sehr schmal wird oder im Radsport bei einer Abfahrt auf Pflastersteinen im Regen, dann wird der Fokus aufs Hier und Jetzt zur Hauptaufgabe.
In diesem Moment kann sich der Sportler nicht erlauben über die Einkaufsliste für nächste Woche oder was der Partner/ die Partnrin gerade wohl tut, nachzudenken.

Die Konzentration aufs Hier und Jetzt zu lenken ist von oberster Priorität.

Der Fokus ist steuerbar und trainierbar.

Angefangen beim Gefühl vom Boxhandschuh,  um anschließend umzuschalten aufs Gehör; was  Zuschauer zurufen bis hin zum Blick nach vorne auf den Kontrahenten.

jeorme zimmer fokus

Wer den Fokus unter Kontrolle hat, kontrolliert auch seine Leistung.

Ein Zitat eines Radprofi während eines 4-Stündigen Rennen im Regen bringt es auf den Punkt:

„ Ich fuhr an dem Tag für 4 Stunden im strömenden Regen, wenn ich daran denke, kann ich mich an nichts mehr erinnern als an den weißen Straßenstrich, dem ich 4 Stunden lang folgte. Und an das Hinterrad vom Radfahrer vor mir.

Das ist alles, an das ich mich erinnere.“

Er hatte sich auf das wesentliche im Rennen fokussiert um seine beste Leistung zu mobilisieren. Es lief ab wie in Trance.

6. Möge die Macht mit dir sein.

Ein unzerstörbarer Glaube an sich selbst unterstützt den Weg zum Flow.

Wenn sich ein Gefühl der Kontrolle einstellt während des Trainings oder im Rennen , fühlt man sich als Sportler unbesiegbar.

Es gibt Sportler die nach einem Rennen davon berichten, dass Sie auf einmal spürten, dass „Nichts mehr schief gehen konnte“.

Ein Gefühl der absoluten Kontrolle über alle Faktoren eines Rennens, gibt dir als Sportler einen richtigen Schub.

So als würdest du als Jedi-Ritter anfangen die “Macht” in dir zu spüren.;)

Wenn ein Sportler daran glaubt, dass er alle Fähigkeiten besitzt um Erfolg zu haben, dann stellt sich dieses Gefühl der Kontrolle ein.
Hier kommt es jedoch auf die richtige Balance an.

Wer sich überschätzt mit seinen Fähigkeiten oder unterschätzt, kann nicht in den Flow geraten.
Eine gesunde Eigeneinschätzung von sich selbst oder von einem erfahrenen Trainer sind hier die Schlüssel zum Erfolg.

 

7. Verlust vom eigenen Bewusstsein.

Es geht nicht darum bewusstlos zu sein.

Es geht darum, dass irgendwelche Gedanken von Selbstzweifel oder verstärktem Grübeln nicht mehr auftreten.

Sportler berichten von intuitivem Handeln, ohne sich zu Fragen ob dies gerade richtig oder falsch sei.

Es werden Aussagen getroffen wie zb. :„Ich verlor mich im Rennen“  oder “Ich zweifelte zu keinem Moment an meinen Aktionen“

Wenn wir dieses Loslösen von Gedanken, Nachdenken oder Grübeln trainieren, kommen wir in eine ganz neue Dimension der Wahrnehmung im Sport.
Abläufe können fließen und werden stimmig.

Frei nach dem Motto: „Fühlen, nicht denken!“

Es ähnelt sehr dem Punkt 5, des Fokussieren aufs Hier und Jetzt und trotzdem ist es ein eigener Bestandteil vom Flow.

Frei zu sein von irgendwelchen Gedanken die uns zweifeln lassen, lassen uns komplett in unseren Sport eintauchen.

 

8. Zeitverzerrung

Kein Tag vergeht, an dem wir nicht unsere Zeit messen um zu wissen wieviel Zeit einem noch bleibt oder man noch haben wird?

Im Flow sind wir von diesem Druck befreit, es geht über in ein Gefühl von einfach „Sein“.

Im Prinzip vergeht die Zeit im Flow schneller, 1 Stunde kommt einem vielleicht vor wie 10min.
Umgekehrt können sich auch einige Sekunden oder Minuten wie in Zeitlupe abspielen.
So als würde sich eine SlowMotion abspielen, in der ein Sportler jedes noch so kleine Detail wahrnimmt und sich abspeichert für lange Zeit.

Ein Ultraradsportler, welcher Ultraradrennen bestreitet erzählte mir einmal folgendes:

„Ich fuhr diese Etappe während 17  Stunden am Stück. Ich war einfach drin (Flow).
Wenn mich heute Leute fragen ob sich diese Etappe wie 17  Stunden anfühlten, kann ich nur antworten, dass es sich eher wie 3 Stunden anfühlte.“

Aus Erfahrung ist es allgemein so, dass sich kurze Sprints in der Zeit verlängern können um jede Sekunde bewusster wahrzunehmen.
Bei langen Distanzen wie bei Ultrarennen, scheint es eher so als ob sich die Zeit verkürzt und wie im Flug vergeht.

Im Flow jedenfalls, wir das bewusste Wahrnehmen von Zeit zur Nebensache.

flow hypnose zimmer

9. Der Weg ist das Ziel.

Autotelische Erfahrungen, geben dem Sportler nicht nur Befriedigung, nachdem das Ziel erreicht wurde.

Autotelisch bedeutet: Unabhängikeit von einem Ziel.
Alles was ein Sportler erlebt zwischen Start und Ziel, erfüllt Ihn und wird als Ganzes wahrgenommen.

Es ist zb. bereits während einer schwierigen Etappe wo sich eine Befriedigung einstellt: Den Genuss an der Landschaft, der Spaß am Radfahren,etc…

Dieses Element fasst zusammen, dass sich Sportler über einen langen Zeitraum wie im Fluss fühlen können.
Sei es angefangen beim Erstellen des Trainingsplans, bei Trainingseinheiten über Wettkampfvorbereitungen bis hin zum großen Finale.

Sportler berichten in diesem Fall von einem Rausch, welcher Sie über Monate in den Bann zog.

Dieser Rausch ist das Resultat und die Übersicht von all den 8 Elementen des Flow.

Ich bin davon überzeugt, dass einige Elemente dieses Artikels, dir dabei helfen können um zukünftig leichter in den Flow zu gelangen.

Wenn du weitere Fragen hast, bezüglich dieses Themas oder deine Flowerfahrungen mit uns teilen möchtest, dann hinterlasse mir einen Kommentar oder schreibe mir gerne eine Email.

 

 

In diesem Sinne:

Sportliche Grüße & Stay in Flow

jerome zimmer

 

 

 

 

 

 

 

Weiterführende Literatur: Mihaly Csikszentmihalyi – Flow in Sports.

Leave a Comment